DER HEXENHAMMER



1)Historisches Umfeld

2)Inhalt und Gliederung

3)Frauenbild im Hexenhammer

4)Die Bedeutung des Hexenhammers

Historisches Umfeld

 

Bis hin ins 15 Jhd. waren Hexenverfolgungen im französischen und italienischen Alpenbereich üblich. Ende des 15. Jhd. verbreiteten sie sich auch im deutschen Raum. Förderer der Hexenverfolgungen waren Heinrich Institoris und Jakob Sprenger. Institoris war Prior des Dominikanerklosters von Schlettlandt. Seit 1474 engagierte er sich als Inquisitor für Oberdeutschland. Er war ein fanatischer Gegner der Hexen und Zauberer. Da die Hexenverfolgungen in Oberdeutschland neu waren, hatte Institoris mit heftigem Widerstand der Bevölkerung zu kämpfen (z.B. Hexenprozess in Innsbruck, in dem Institoris keine Verurteilungen erwirkte). Im Jahre 1484 erreichten die beiden dominikanischen Inquisitoren Sprenger und Institoris von Papst Innozenz VIII. einen Erlass, der ihnen die alleinige Zuständigkeit für die Hexenverfolgung in großen Teilen Deutschlands und Österreich erteilte. Dieser päpstliche Erlass "Summis desiderantes affectibus " wird auch "Hexenbulle " genannt. Diese Bulle ist der erste explizite Beleg aus Rom, der Hexerei als ketzerische Realität bezeichnet und deren Verfolgung rechtfertigt. Sie sollte auch den Widerstand der Bevölkerung gegen Institoris und Sprenger niederschlagen. Aufgrund dieser Vollmacht, durften sie gegen Verdächtige mit Einkerkerung und anderen Strafen nach eigenem Gutdünken vorgehen.

Im Jahre 1487 veröffentlichten Heinrich Institoris und Jakob Sprenger auf Ersuchen des Papstes Innozenz VIII. den Hexenhammer " Malleus maleficarum ", das Handbuch für Hexenprozesse. Sie gingen davon aus, dass mangelnder Glaube an Hexerei als Ketzerei zu gelten habe und stützten sich auf den Großinquisitor von Aragon, Nicolas Eymeric, der 1376 eine umfangreiche Anleitung für Inquisitoren herausgegeben hatte.



Inhalt und Gliederung 

Der Hexenhammer gliedert sich in drei Teile, wie folgt:

Im ersten Teil begründen die Autoren, warum schon das Leugnen des Hexenglaubens als verwerfliche Ketzerei anzusehen sei und daher jede Kritik selbstmörderisch war.Das heißt, dass all jene, die die Meinung vertreten, dass es keine Dämonen und Hexen gäbe, sondern, dass die Menschen ihre Irrtümer auf selbsterdachte Gestalten schieben, als Ketzer gelten. Die Autoren versuchen dies damit zu beweisen, indem sie schreiben, dass diese Aussage dem wahren Glauben widerspreche, welcher beinhaltet, dass es Engel gäbe, die aus dem Himmel gestoßen und zu Dämonen geworden Zauberer und Hexen zu unheilvollen Taten verleiten.

Der zweite Teil handelt von den verschiedenen Arten und Wirkungen der Hexerei und wie solche wieder behoben werden können, z.b." Über die Art wie sie die Zeugungskraft zu hemmen pflegen" oder " Über die Art, wie sie die männlichen Glieder weg zu hexen pflegen". In diesem Teil des Hexenhammers werden detailliert die Praktiken von Hexen und Zauberern, der Hexensabbat als Verehrung des personifizierten Teufels und Verhöhnung der Liturgie und der Sakramente, der Teufelspakt und die Teufelsbuhlschaft beschrieben

Der dritte Teil behandelt die Prozessführung, die Folter, das Urteil und die Bestrafung, stellt also eine Art Kriminalcodex dar.

 

 

 

 

Frauenbild im Hexenhammer

Die Autoren skizzieren in ihrem Buch ein extrem feindliches Frauenbild und tragen alles zusammen, was sich an Negativem über die Frau bei griechischen und römischen Schriftstellern, im Alten Testament, bei den Kirchenvätern und anderen kirchlichen Autoritäten findet. Dass die Frau sowohl biologisch als auch metaphysisch minderwertig ist, geht natürlich aus dem Schaffungsakt der Frau ( Genesis) hervor, nach dem sie aus einer krummen Rippe geformt wurde, das heißt aus einer Brustrippe, die gekrümmt und gleichsam dem Mann entgegengeneigt ist. Aus diesem Mangel resultiert auch, dass das Weib ihre Unvollkommenheit in biologischer und rationaler Hinsicht mit Lüge, Hinterlist und Habgier auszugleichen versucht. Hierzu wird Cato, Seneca und Tullius zitiert: "Weint ein Weib, so sinnt es gewiss auf listige Tücke." "Zwei Arten von Tränen sind in den Augen der Weiber, die einen für wahren Schmerz, die anderen für Hinterlist; sinnt das Weib allein, dann sinnt es Böses." "Die Weiber treibt zu allen Schandtaten nur eine Begierde: denn aller Weiberlaster Grund ist die Habsucht."

Dass die Frau von Natur aus einen geringeren Glauben habe und sie in allen Kräften der Seele, des Leibes und des Verstandes mangelhaft sei, gehe ebenfalls aus dem Schöpfungsbericht hervor, da Eva an den Worten Gottes zweifle und Adam verführt habe. Weiteres Indiz hierfür sei auch die Etymologie des lateinischen Begriffes für Frau: Das Wort femina komme von fe und minus ( fe = fides, Glaube, minus = weniger, also femina = die weniger glauben hat). Also sei das Weib von Natur schlecht, da es schneller am Glauben zweifelt und auch schneller den Glauben ableugnet, was die Grundlage für die Hexerei ist. Die Verführung Adams durch Eva sei auch ein wichtiges Indiz dafür, dass die Frau von einer viel stärkeren sexuellen Leidenschaft getrieben werde als der Mann. Hierfür wird auch Plato zitiert: "Durch ihre Emotionalität neige die Frau eher zur Sexualität als der Mann und stehe somit mit ihren Trieben der Vernunft des Mannes gegenüber."

Institoris und Sprenger vermitteln ein Bild der Frau, das ein Produkt einer langen frauenfeindlichen Tradition einer patriarchalischen Männerwelt und den persönlichen psychopathologischen Wahnvostellungen der Autoren darstellt. Tragisch freilich, dass ein solches Machwerk für lange Zeit zum festen Bestandteil abendländischen Geisteslebens gehörte.

Abschließend möchte ich noch den Schlussteil der Betrachtungen über die Frau aus dem Hexenhammer zitieren: "Apokalypse 6: Ihr Name ist der Tod. Denn mag auch der Teufel Eva zur Sünde verführt haben, so hat doch Eva Adam verleitet. Und wie die Sünde der Eva uns weder leiblichen noch seelischen Tod gebracht hätte, wenn nicht in Adam die Schuld gefolgt wäre, wozu Eva und nicht der Teufel ihn verleitete, deshalb ist sie bitterer als der Tod. Nochmals bitterer als der Tod, weil der Tod des Körpers ein offener, schrecklicher Feind ist; das Weib aber ein heimlicher, schmeichelnder Feind ....... Schließen wir: Alles geschieht aus fleischlicher Begierde, die bei Frauen unersättlich ist. Sprüche am Vorletzten: " Dreierlei ist unersättlich und das vierte, das niemals spricht: es ist genug, nämlich die Öffnung der Gebärmutter." Darum haben sie auch mit den Dämonen zu schaffen, um ihre Begierden zu stillen. – Hier könnte noch mehr ausgeführt werden; aber den Verständigen ist hinreichende Klarheit geworden, dass es kein Wunder, wenn von der Ketzerei der Hexer mehr Weiber als Männer besudelt gefunden werden. Gepriesen sei der Höchste, der das männliche Geschlecht vor solcher Schändlichkeit bis heute so wohl bewahrte: da er in demselben für uns geboren werden konnte und leiden wollte, hat er es deshalb auch so bevorzugt."



Die Bedeutung des Hexenhammers

Der Hexenwahn wurde durch den Hexenhammer sicherlich gesteigert; er bewirkte aber auch eine Verschiebung der Akzente: einerseits eine verstärkte Verfolgung der Frau, da man die Gesetzlosigkeit und Irrationalität einer durch und durch triebhaften Frau symbolisch mit der Gesetzlosigkeit der Natur in Verbindung brachte, die unterworfen und gezähmt werden musste- vielleicht Projektionen und Substitutionen des Mannes? - , andererseits die Verlagerung der Prozesse von der geistlichen auf die weltliche Justiz. Die ungeheure Wirkung dieses Buches hängt auch mit seiner weiten Verbreitung zusammen, die die neue Kunst des Buchdruckes ermöglichte. Bis 1669 erlebte der Hexenhammer neunundzwanzig Auflagen.

 

Bemerkenswert ist, das in Hamburg

 

der Hexe ein Verteidiger zu stand